FANDOM


Hambacher Symposium 2011 - „Wie viel Öffentlichkeit verträgt der Rechtsstaat?"

Hambacher Symposium 2011 - „Wie viel Öffentlichkeit verträgt der Rechtsstaat?"

"Der bürgerliche Öffentlichkeitsbegriff meine, dass "das, was alle betrifft, auch von allen diskutiert und entschieden wird". Öffentlichkeit ist daher im Idealfall öffentliche Diskussion. Diese Definition habe wenig mit der "Realität" zu tun. Die öffentliche Diskussion sei ein beherrschtes Feld - ganz im Sinne Antonio Gramscis Hegemoniebegriff: eine Mehrheit unterstütze, was einer Minderheit nütze. In diesem Sinne sei der bürgerliche Öffentlichkeitsbegriff gescheitert. Aus dieser Krise entstehe eine neue Öffentlichkeit (Gegenöffentlichkeit), die versuche, der ursprünglichen Bedeutung gerecht zu werden.

Öffentlichkeit sei schließlich auch ein gesellschaftliches Organisationsprinzip. Als solches brauche es Strukturen, um wirksam zu werden. Diese Strukturen würden zurzeit infrage gestellt: Der Staat ziehe sich aus seiner Verantwortung zurück, immer mehr Bereiche würden privatisiert und zur Ware gemacht. Im Zuge dieser Veränderungen komme es zu einer Neudefinition von Verantwortung. Als Beispiel hat Karin Küblböck die Pensionsvorsorge angeführt: Obwohl die Altersvorsorge in öffentlicher Verantwortung liege, werde diese individualisiert; mehr und mehr Personen bekämen das Gefühl, sich zusätzlich selbst "privat" versichern zu müssen." (pfz.at)